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16.04.2009 © 2009 Frankfurter Neue Presse
Hauptsache, nicht allein
Von Ingrid Schick
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wird im Jahr 2050 jeder Dritte 60 Jahre oder älter sein und sogar die Hälfte über 48. Viele von denen, die heute um die 50 sind, werden im Alter anders leben als die Generationen vor ihnen.
Frankfurt. Menschen im mittleren Alter haben eine klare Vorstellung davon, wie sie ihren Lebensabend verbringen wollen: selbstständig, aber nicht allein; mit Unterstützung, aber nicht unnötig rundum versorgt; aktiv bis ins hohe Alter, aber mit einer qualifizierten Versorgung, wenn nötig. Mit dem Alter eines Menschen steigt das Risiko, von Hilfe und Pflege abhängig zu werden. Um auch in diesem Fall der Fälle ein selbstbestimmtes Leben, möglichst in den eigenen vier Wänden, führen zu können, empfehlen Experten wie Judith Bräuninger, Vorstandsmitglied des Vereins «Gemeinsam leben im Alter» in Bad Homburg, sich frühzeitig mit dem Thema zu befassen. «Jeder sollte rechtzeitig über neue Wohn- und Lebensformen im Alter nachdenken, die auch dann noch tragen, wenn Hilfe und Pflege nötig werden», empfiehlt die Bauplanerin.
Die meisten Menschen möchten auch im Alter in ihrer gewohnten Umgebung bleiben. Damit dies möglich ist, muss sowohl die Wohnung als auch die Umgebung für ältere Menschen bestimmte Kriterien erfüllen, damit sie auch dann noch weitgehend normal weiterleben können, wenn ihre Mobilität ab- und ihre Hilfsbedürftigkeit zunimmt. Oft ist es möglich, eine Wohnung durch kleine Umbauten altersgerecht zu verändern und so den Umzug ins Heim zu vermeiden. Sind früher Senioren im Durchschnitt mit 65 Jahren ins Altenheim gegangen, liegt das Durchschnittsalter heute bei 83 Jahren. Als Alternative zum trauten Heim ist betreutes Wohnen, das Unabhängigkeit bei gleichzeitiger Unterstützung bietet, sehr gefragt, aber auch neue Wohnmodelle wie Mehrgenerationenwohnen und Wohngemeinschaften von Rentnern.
Oft noch ein Wohnort-Wechsel
Ein Großteil der neuen Alten zieht nach der zweiten Lebenshälfte noch einmal um. Die Gründe sind vielfältig: Das Haus schlabbert nach dem Auszug der Kinder wie ein zu groß gewordenes Kleidungsstück um einen herum, man hat keine Lust mehr auf die vielfältigen Arbeiten rund um Haus und Garten oder schafft diese nicht mehr. Manche wechseln auch noch einmal den Wohnort, wenn sie nicht mehr auf die Nähe zum Arbeitsplatz angewiesen sind. Vor allem die über 45-Jährigen und ganz besonders die über 60-Jährigen treten in letzter Zeit vermehrt als Immobilienerwerber hervor. Das ergab eine Trendstudie vom September 2008 des Zukunftsinstitutes in Kelkheim.
Da der Wunsch nach Selbstständigkeit und Unabhängigkeit auf der Prioritätenliste der Menschen, die Trendforscher als «Silver Ager» bezeichnen, ganz oben steht, spielen Kriterien wie Barrierefreiheit der Wohnung, eine gute Infrastruktur, aber auch der Wunsch nach sozialen Kontakten und Gemeinschaft bei der Suche nach neuen Wohnräumen die wichtigste Rolle.
Morgen lesen Sie den zweiten Teil unserer Analyse zum Wohnen im Alter.
Vom bis
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© 2009 Frankfurter Neue Presse.17.04.2009 Wohnen im Alter, aber wie?
...Judith Bräuniger (48) plant Passivhäuser aus Holz, bringt Interessenten für Senioren-Wohnprojekte zusammen und ist Vorstandsmitglied im Selbsthilfeverein «Gemeinsam wohnen im Alter» in Bad Homburg. Mit ihr sprach unsere Autorin Ingrid Schick.
Bräuniger: Wohnen im Alter, aber wie? Ab wann sollte man über dieses Thema ernsthaft nachdenken?
Man sollte sich möglichst frühzeitig – schon vor der Rente – darüber Gedanken machen, wie man den dritten Lebensabschnitt verbringen will. Ein selbstbestimmtes Leben und Wohnen sollte rechtzeitig geplant und organisiert werden. Wer das tut, bestimmt nämlich selbst über seine Zukunft, kann seine Vorstellungen vom Wohnen verwirklichen und hat genügend Zeit, sich in neue seniorengerechte Wohnformen, Wohn- und Lebensgemeinschaften einzuleben.
Auf was sollte man bei der Planung und Wahl eines «Alterssitzes» achten?
Das kommt auf die individuellen Bedürfnisse an. Denn den älteren Menschen gibt es nicht, das Alter ist – mindestens – so heterogen wie jede andere Altersgruppe. Entsprechend differenziert sind auch die Ansprüche. Der «Alterssitz» sollte die Möglichkeit bieten, so lange wie möglich selbstständig leben zu können, dabei aber nicht alleine zu sein. Das heißt, die Wohnung sollte seniorengerecht, beispielsweise mit breiten Türen für Rolli-Fahrer und mit ebenerdigen Duschkabinen ausgestattet sein. Zudem sollte es die gewählte Wohnform ermöglichen, gemeinsam mit anderen aktiv zu sein und sich gegenseitig zu unterstützen – egal, ob in der Rentner-WG, im Mehrgenerationenhaus oder in betreuten Wohnanlagen.
Rentner-WG? Mehrgenerationenwohnen? Wie alltagstauglich sind diese Möglichkeiten? Nun ja, die Kommunarden sind ergraut und bis ins Alter experimentierfreudig geblieben. Bestes Beispiel einer weitsichtigen Lebensplanung für den dritten Lebensabschnitt oder wie man dem Pflegenotstand ein Schnippchen schlägt, liefert Bremens Ex-Oberbürgermeister Henning Scherf. Acht Personen leben in der wohl bekanntesten Senioren-WG Deutschlands – in der man sich gegenseitig unterstützt, wenn es nötig ist, einen Mitbewohner bis in den Tod begleitet – und bei allem den Spaß am Leben im Alter nicht verliert.
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